Installationsereignis in der "Nacht der Kunst" „Installation Mozart Requiem“ – diese ungewöhnliche  Ankündigung machte viele Besucher der diesjährigen „Nacht der Kunst“ neugierig. Und so strömten unerwartet viele Musik- und Kunstinteressierte zum Alten Gefängnis in der Wilhelmstraße, wo ihnen eine Gruppe engagierter Musiker bzw. Künstler des Gymnasium Philippinum ein Raum- und Klangerlebnis herausragender Art bescherten. Der Kunstlehrer Reinhard Hölker und der Musiklehrer André Kutsch setzten  mit 12 Sängerinnen und Sängern, überwiegend Mitglieder des großen Chores des Philippinums, ein originelles  Konzept um. In den minimalistisch gestalteten Räumen einer Privatwohnung im alten Marburger Gefängnis waren die Sängerinnen und Sänger entsprechend ihrer Stimmlagen als "Klangbausteine" in fünf unbeleuchteten Räumen platziert. Schwarz gekleidet, aufgestellt in gänzlich ungeschmückten, schwarz-weiß gehaltenen und türlosen Räumen sangen sie Teile aus dem Mozart Requiem, u.a. das Dies irae und das Lacrimosa. Die Orchestermusik kam aus Lautsprechern; der hervorragende Gesang ging von den praktisch entpersonalisierten menschlichen Klangkörpern aus; die Besucher bewegten sich frei durch die Wohnung, blieben auf dem Flur stehen oder gingen nach Belieben von Raum zu Raum. Ein derartig intensives Live-Klangerlebnis war für die meisten Gäste neu und zutiefst beeindruckend, waren sie doch der Rolle des konsumierend genießenden Gegenübers in traditionellen Konzertveranstaltungen entbunden. Sie gestalteten ihr ästhetisches Hörerlebnis durch selbst gewählte Nähe und Distanz zu den Stimmen tatsächlich mit. So wurde es, begünstigt durch die konsequente Reduktion aller ablenkenden Äußerlichkeiten, zu einer besonders intensiven und persönlichen Erfahrung. „Klasse!“, „Großartig!“, „Diese Stimmen!“, „Was für eine geniale Idee!“ – diese Bekundungen von Begeisterung mündeten natürlich in die Aufforderung einer Zugabe. Und die Akteure zeigten sich überaus willig. Und dieses Mal durften anwesende erfahrene Chorsänger mit einstimmen. Die ganze Wohnung war berauschend klangerfüllt. Allerdings kamen nun hauptsächlich diejenigen in den Genuss,  die, noch immer auf Einlass hoffend,  erwartungsfroh im Treppenhaus des Hauses ausgharrt hatten. „Mit so vielen Besuchern hatten wir gar nicht gerechnet!“, sagte Reinhard Hölker, der sich über das Gelingen der musikalischen Installation ebenso freute wie André Kutsch und die Sängerinnen und Sänger. Der Andrang war allerdings zu groß für die Räumlichkeiten. Viele Menschen waren  trotz der zweiten Aufführung vergeblich gekommen und konnten nicht in dieses besondere Klangerlebnis eintauchen.Es ist also zu hoffen, dass die Marburger in der nächsten „Nacht der Kunst“ oder auch zu einem anderen Anlass wieder das Vergnügen haben dürfen. Angelika Voss